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Hitzeperioden im Sommer nehmen zu. Um Klassenräume der Wieser Mittelschule zu kühlen, wurde von der Marktgemeinde ein natürliches Beschattungsprojekt auf Schiene gebracht. Vom Land kam dafür nun die Förderablehnung. Das Unverständnis ist groß.

 

„In der Früh hatte es in der Klasse schon 37 Grad. An ein Lernen war nicht zu denken. Wir wechselten daher in den beschatteten Musikraum. Dort war es viel angenehmer“, erinnert sich Mia Kop, die Kinderbürgermeisterin der Marktgemeinde Wies und selbst Schülerin an der örtlichen Mittelschule an die Sommerhitze zurück.

„Die Beschattung wirkt“
Nicht grundlos bezeichnete Bgm. Josef Waltl das Pressegespräch als „kurios“. Denn nur wenige Wochen ist es her, als sich die Politik geschlossen hinter Forderungen nach klimafitten und vor Hitze geschützten Schulen stellte. Was nun in Wies passiert, widerspricht dem, medial wirksam, Gesagten deutlich.
„Ich verstehe die Welt nicht mehr“, bringt es Waltl auf den Punkt. Denn im Rahmen eines Leader-Pilotprojekts wurden bereits im Jahr 2024 zwei Fassadenflächen begrünt. „Diese Begrünung wurde vom Land als Beschattungslösung gutgeheißen. Wir haben unsere Aufgaben gemacht und das Projekt wissenschaftlich begleitet. Das daraus resultierende klar ersichtliche Ergebnis lautete: Die Beschattung wirkt!“, so der Bürgermeister.

Vor diesem Hintergrund trat die Gemeinde mit dem Vorhaben, das Schulzentrum von Wies zur Gänze mittels natürlicher Beschattung klimafit zu machen, an die Steuerungsgruppe der LAG Schilcherland – dem obersten strategischen und beschlussfassenden Organ für die Umsetzung von LEADER-Projekten in der Region – heran.
Positiv fiel deren Bewertung aus. Die Abholung der EU-Fördergelder für diese Maßnahme – förderfähige Summe 416.700 Euro – glich einem Formalakt.
Konkret geht es um 250.000 Euro, die aus dem EU-Topf für die Steiermark nach Wies hätten fließen sollen.

Das Ansuchen an die zuständige Abteilung 17 wurde im November des Vorjahres gestellt. Im Jänner 2026 kam eine Ablehnung. Umgehend reichte man geforderte adaptierte Kosten-Nutzenrechnungen nach und untermauerte, dass die Grundinvestition für die natürliche Beschattung eine höhere als jene für alternative Klimageräte sei, dass die Amortisationszeit aber weniger als zehn Jahre beträgt und diese natürliche Maßnahme daher langfristig zu einem großen Einsparungspotenzial führt. Demnach werden Begrünung und natürliche Beschattung über 30 Jahre mit rund 612.000 Euro kalkuliert. Klimaanlagen und künstliche Beschattung würden 1,18 Millionen Euro verschlingen.
Dem Schreiben angeschlossen wurde auch eine Stellungnahme der LAG Schilcherland in der es heißt: Das Projekt baut auf einem professionell entwickelten Konzept auf, bei dem erste Begrünungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt und deren Wirkung nachgewiesen wurden.

Wies 1

Schüler und Verantwortungsträger lassen sich nicht entmutigen und setzen den Kampf für kühle Klassenzimmer weiter fort.

„Hier geht es um Kindeswohl“
Was vom Land kam, war eine neuerliche Ablehnung, die sich in erster Linie auf die Vorgaben der Bildungsdirektion Steiermark stützt. Auf Kritik stieß darin unter anderem der durch den Bewuchs geminderte Lichteinfall. Denn laut der Bildungsdirektion müsste in Klassenräumen eine Lichteintrittsfläche von mindestens 20 % der Bodenfläche gegeben sein. „Wie man in den bereits beschatteten Klassen feststellen kann, fällt diffuses Sonnenlicht in die Räume. Als Alternative wurde uns kurioserweise die Installation von außen liegenden Sonnenschutzanlagen – sprich Rollos – ans Herz gelegt. Wenn man die schließt, gibt es gar kein Licht mehr“, hält für Bgm. Waltl das Argument Lichteinfall nicht stand.

Vom Tisch ist für die Marktgemeinde Wies das Thema nicht. „Wir bleiben dran. Werden weiter das Gespräch suchen und hoffen, auf ein Einlenken und Umdenken. Die Sommer werden immer heißer. Hier geht es um das Kindes- und Lehrerwohl“, hofft Waltl mit der Unterstützung der Medien, Druck aufzubauen.

Opposition stellt sich hinter das Projekt
Rückendeckung findet der Bürgerlisten-Bürgermeister auch in den nicht regierenden Parteien.
So wird die steirische Sozialdemokratie, initiiert von LAbg. Andreas Thürschweller (Bgm. Eibiswald), eine schriftliche Anfrage an den zuständigen Landesrat Stefan Hermann einbringen.
„Nach diesem Sommer wissen wir, wie belastend Hitze gerade in Schulen ist. Wenn Gemeinden hier vorausschauend planen und Vorsorge treffen wollen, sollte das Land ihnen den Rücken stärken und nicht zusätzliche Hürden aufbauen“, so Sandra Krautwaschl, Klubobfrau der Grünen, die im selben Zuge auch ankündigte, vom Land Berechnungen bezüglich der prolongierten mangelnden Wirtschaftlichkeit einfordern zu wollen.
„Wenn eine Gemeinde selbst konkrete Lösungen für den Hitzeschutz vorlegt und dann vom Land ausgebremst wird, geht mir nicht in den Kopf“, bläst auch NEOS-Abgeordneter und Umweltsprecher Robert Reif ins selbe Horn.

Gerne hätte Bgm. Waltl im Rahmen der Pressekonferenz Lehrer und mehr betroffene Schüler zu Wort kommen lassen. Von der Bildungsdirektion gab es dafür aber kein grünes Licht. •

Wies 2

Kinderbürgermeisterin Mia Kop erzählt im Gespräch mit Bgm. Josef Waltl von 37 Grad heißen Klassenzimmern.