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Nächste Ausgabe: 9. Februar 2023

Sabrina Weber, MSc, BA, leitet den Bereich Schul- und Kindergartenassistenz.

Der Verein Schilcherland Sozial blickt auf zwei herausfordernde Jahre zurück. Getragen von kollegialem Zusammenhalt und einem von Vertrauen und Menschlichkeit dominierten Miteinander zwischen Vorstand, Geschäftsführung und Mitarbeitern, gelang es, im Sinne der Kinder und Jugendlichen des Bezirkes Deutschlandsberg ein 140 Köpfe starkes Netzwerk effektiver Hilfe und Prävention zu knüpfen.

Rund zwei Jahre ist her, als sich die Gemeinden des Bezirkes Deutschlandsberg zur Fortführung und Neuausrichtung des – unter alter Führung empfindlich in Schieflage geratenen – Sozialvereins Deutschlandsberg bekannten. Mit Bgm. Franz Silly (St. Martin) als Obmann an der Spitze richtete sich der Verein unter dem Namen Schilcherland Sozial neu aus. Von Altlasten befreit, dafür mit einer menschlicheren Art des Miteinanders, stellte man mit Geschäftsführerin Johanna Eberhardt, BA, die Kinder- und Jugendarbeit in den Fokus und traf damit den Nerv der Zeit.
„Gewachsene Partnerschaften mit Schulen und Kindergärten des Bezirkes konnten erfolgreich weitergeführt werden. Der Bedarf in unseren drei Bereichen – Schul- und Kindergartenassistenz, Schulsozialarbeit und Streetwork – wuchs stetig. Im Jänner 2021 sind wir mit 120 Mitarbeitern gestartet. Heute sind es 140 bestens ausgebildete und qualifizierte Köpfe, die im Bedarfsfall auch bereichsübergreifend wie Zahnräder ineinandergreifen, um Kinder und Jugendliche gut in das Erwachsenenleben zu begleiten“, ist Johanna Eberhardt stolz auf die hohe Motivation und Leistungsbereitschaft im Team.

Unumstößlich an der Seite der Kinder

Den Mammutbereich bei Schilcherland Sozial nimmt die Schul- und Kindergartenassistenz ein. Mit 122 gut ausgebildeten Leuten im Team sorgt Bereichsleiterin Sabrina Weber, MSc, BA, mit Unterstützung des gesamten Office-Teams für maßgeschneiderte Begleitung in 44 Bildungseinrichtungen – von Kindergärten bis hinauf zu höheren Schulen – in und rund um den Bezirk. „Die 158 Kinder, die wir betreuen, haben nicht umsonst einen Bescheid. Der Bogen spannt sich von Lernschwächen über ADHS-Diagnosen bis hin zu Authismus, Behinderungen des Bewegungsapparates sowie Hör- oder Sehbeeinträchtigungen“, führt Weber ins Treffen. Die Zielsetzung ihres Teams lautet klar: Kindern Normalität im Kindergarten- und Schulalltag zu bieten. Ihnen Sicherheit zu geben und sie im Bedarfsfall auch auf Ausflüge, Schullandwochen oder in die Nachmittagsbetreuung zu begleiten.
„Wir unterstützen und begleiten sie teils über Jahre auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Das Einlassen auf immer neue Situationen macht unseren Beruf ebenso spannend wie fordernd“, sagt Weber jedem Einzelnen im Team Danke für eine herausragende Zusammenarbeit im Sinne der Kinder und
deren Familien.

Mit offenem Ohr an Schulen vor Ort

Einen weiteren Bereich im Schilcherland Sozial stellt die Schulsozialarbeit dar. Unter der Leitung von Julia Streit-Putzi, MA, sind acht studierte Sozialarbeiter und Sozialpädagogen regelmäßig in den Volksschulen des Bezirkes vor Ort, um Lebenskompetenzen – wie Teamfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Achtsamkeit etc. – zu fördern. In den Mittel- und Polytechnischen Schulen wird der Fokus auf Mobbingprävention sowie Gefühls- und Stressbewältigung gelegt. „Wir sind Anlaufstelle für Klassenstreitigkeiten, aber auch für große persönliche Themen wie Motivationslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken. Wir bieten Schülern, Eltern und Lehrern Beratung, machen aktiv auf Probleme aufmerksam und holen im Bedarfsfall Hilfe an Bord“, präsentiert Streit-Putzi die Schulsozialarbeit als wichtige Drehscheibe zwischen Prävention, Bedarfserhebung und Hilfestellung.
Sprachrohr der Jugend
Vor acht Jahren im Bezirk Deutschlandsberg ins Leben gerufen, ist Streetwork der dritte Bereich im Verein. „Streetwork ist mobile aufsuchende Jugendsozialarbeit und bietet Information, Beratung und Begleitung von 14 bis 26. Wir arbeiten nach den Grundprinzipien: mobil, anonym, freiwillig, kostenlos und verschwiegen. Wir bewegen uns im öffentlichen Raum, sind aber auch auf Social-Media-Kanälen unterwegs“, berichtet Bereichsleiterin Nadja Klavzer, BA.
Dass Corona den Bedarf befeuert hat, liegt für sie auf der Hand. „Die Jugendlichen leiden verstärkt unter physischen und psychischen Erkrankungen. Zusätzlich greifen mit der Teuerungswelle Existenzängste um sich“, weiß die 28-Jährige aus ihrer täglichen Arbeit zu berichten.
Präventiv in Schulen und Workshops vor Ort, verfolgen die Streetworker das große Ziel, junge Menschen, zu denen sie einen Draht aufgebaut haben, auch gut ins Erwachsenenleben hineinfinden zu lassen. „Wir sind viel unterwegs, können aber doch nicht überall sein. Jugendlichen, die Hilfe benötigen, Eltern, aber auch Lehrern steht die Tür von Schilcherland Sozial offen“, lädt Klavzer im Bedarfsfall zur unverbindlichen Kontaktaufnahme ein.

Dem Wachstum Rechnung tragend

Mit 140 Mitarbeitern nimmt Schilcherland Sozial die Stellung eines wichtigen Arbeitgebers, gerade für Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen möchten, ein. Dem wachsenden Bedarf folgend, wird zusätzliches Personal in allen drei Bereichen gesucht.
„Schilcherland Sozial ist eine Einrichtung, die ich mir für die Kinder und Jugendlichen unseres Bezirkes nicht wegdenken möchte. Unsere Arbeit passiert transparent, wir sind gut aufgestellt und die Gemeinden sind mit den Leistungen zufrieden. Die Geschäftsführung, die Bereichsleiter und jeder einzelne Mitarbeiter leistet im Sinne der Erwachsenen von morgen wirklich Außerordentliches“, betont Obmann Franz Silly.
Um weiter wachsen zu können, wird der Verein 2023 in eine GmbH umgewandelt werden. Einer GmbH vorstehen, das wollte GF Johanna Eberhardt nie: „Wir alle arbeiteten für diese positive Entwicklung hart. Nun kann ich Schilcherland Sozial guten Gewissens in neue Hände geben“, schließt die scheidende Geschäftsführerin mit einem lachenden und einem weinenden Auge.