Arbeitsplätze, Pflanzenschutzmittel und Klimawandel – das sind Themen, die den steirischen Landwirten unter den Nägeln brennen. Landwirtschaftskammer-Präsident Ökonomierat Andreas Steinegger bezieht im Interview ganz klar Stellung und spricht offen über seine Erfahrungen an der Kammer-Spitze. (Foto: NL)
Sie wurden im März 2025 zum LK-Kammerpräsident der Steiermark gewählt. Wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Funktion?
Steinegger: Präsident zu werden, kam für mich überraschend. Es war für mich eine große Ehre, als ich gefragt wurde. Wichtig war mir die Zustimmung der Gremien. Im Bauernbund herrschte Einstimmigkeit zu diesem Vorschlag. Dass ich bei der Wahl zum Präsidenten in der Kammervollversammlung nur eine Gegenstimme erhielt, war für mich schon ehrenvoll.
Was ist die Triebfeder, dass man sich diese Arbeit antut?
Das haben mich schon viele Leute gefragt. Meine Frau sagt, „du bist halt so“. Ich mag sehr gerne Menschen und bin leidenschaftlicher Bauer. Außerdem ist bei mir am Hof mit unserem Sohn die Hofnachfolge geregelt. Nun versuche ich durch meine Arbeit als Vertreter für die Bäuerinnen und Bauern ein passendes Umfeld zu schaffen.
Wenn Sie bei bäuerlichen Veranstaltungen und Diskussionen sind: Was sind die großen Themen, die unter den Nägeln brennen?
Das sind vor allem drei Themen. Das erste ist jenes der Arbeitskräfte bei arbeitsintensiven Sparten wie Obst-, Wein- und Gemüsebau sowie Forstwirtschaft. Das nächste Thema sind die Pflanzenschutzmittel. Dies gilt für den konventionellen als auch für den Bio-Bereich. Ein ganz wesentlicher Punkt ist der Klimawandel. Dieser trifft die ganze Steiermark, aber auf unterschiedliche Weise.
Und der Bürokratieabbau?
Ein Bürokratieabbau ist in vielen Punkten sinnvoll, aber wir dürfen nicht glauben, dass er überall umsetzbar ist. Ein Vorschlag meinerseits wäre, die Dokumentationspflicht umzukehren. Wir schreiben nur auf, wenn etwas nicht so ist, wie es vorgeschrieben ist. Da würden wir uns über 90 %
aller Aufzeichnungen sparen.
Die EU-Kommission hat den Entwurf für die neue GAP nach 2027 präsentiert und dafür sofort heftige Kritik erhalten. Warum?
Die neue GAP sieht einen nationalen Partnerschaftsplan vor, der alle Geldmittel für ein Land bündelt – also von der Migration bis zur Regionalentwicklung. Das Problem dabei ist die Aufteilung der Mittel. Hier sehe ich die große Gefahr, dass die Landwirtschaft gewisse Gelder nicht mehr bekommt, die dringend notwendig sind. Kritisch sehe ich vor allem, dass die zweite Säule in Gefahr ist, über die Umweltleistungen im Zuge des ÖPUL abgewickelt werden. Sollte das fallen, hätten wir auch Probleme mit anderen Gesetzesmaterien, die damit zusammenhängen wie Renaturierung, Umwelt- und Wasserschutz.
Wie groß ist die Angst?
Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir müssen nun den Vorschlag der Kommission abwarten. Dann muss es eine klare Analyse geben, was das für unsere Bauern heißen würde. Und es wird die große Frage sein, wie der innerösterreichische Verteilmechanismus ausschaut.
Es heißt, die Agrarpolitik wird vor allem in Brüssel gemacht. Wie wichtig ist es, dass die ÖVP den Landwirtschaftsminister auf Bundesebene und Agrarlandesrat auf Landesebene stellt?
Entscheidend ist es, in einer großen Gemeinschaft zu sein, wo man offen über Agrarpolitik sprechen kann. Und das machen wir. Der Draht zu unserer Landesrätin Simone Schmiedtbauer ist sehr eng. Wir tauschen uns täglich aus. Auf Bundesebene sind wir durch die Präsidentenkonferenz gut mit der Politik und mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig vernetzt. Ich habe mir vorgenommen, mich sehr um das Thema EU zu kümmern und regelmäßig bei Entscheidungsträgern in der EU vorzusprechen. Wenn wir ein gemeinsames Ziel haben, dann braucht unser bäuerlicher EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber Unterstützung.
Im Jänner 2026 wird zur Landwirtschaftskammerwahl aufgerufen. Wie beeinflusst dies Ihre Arbeit?
Ich richte meine Arbeit nicht auf die Zeit vor einer Wahl aus, sondern bin immer für die Anliegen unserer Bäuerinnen und Bauern da. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören, ihre Sichtweisen mitzunehmen und für sie zu sprechen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Landwirte wissen, wer für sie da ist. •