Die Regionalzeitung der Süd-Weststeiermark - Auflage: 36.300 Stück

Nächste Ausgabe: 2. Mai 2024

Am Mittwoch, 6. März, kommt Markus Hirtler mit seinem aktuellen Ermi-Oma Programm „Heimsuchung“ um 19.30 Uhr in die Koralmhalle Deutschlandsberg.

Die Aktiv bat den Ausnahme-Kabarettisten zum Interview und verlost 5 x 2 Karten unter ihren Lesern.

Ermi Oma Hirtler

Aktiv: Hat die Kunstfigur „Ermi-Oma“ ein reales Vorbild? Einen Menschen, dem Sie in Ihrer Zeit als Pflegekraft begegnet sind?
Markus Hirtler: Die Ermi-Oma ist für mich ein Konglomerat aus tausenden Begegnungen. Mich haben Lebensgeschichten immer schon interessiert. In meiner Zeit als Heimleiter habe ich mir angewöhnt, dass ich mich zum Mittagessen zu den Menschen setze. Ich hab dann einfach zugehört, was sie zu erzählen haben.

Also wollen Sie mit der Ermi-Oma älteren Menschen eine Stimme geben?
Hirtler: Es ist eine Anmaßung zu sagen „Ich gebe den Menschen eine Stimme“. Aber für mich ist es ganz schön, wenn nach dem Auftritt ältere Menschen zu mir kommen und sagen „Danke, dass Sie das ansprechen“. Ich versuche mich als Markus Hirtler herauszunehmen und in die Rolle der Ermi Oma hineinzusteigen. Deswegen verkleide ich mich auch bewusst. Es gibt Dinge, die sehe ich ganz anders als die Ermi Oma.

Kommt Ihrem Empfinden nach die Figur beim jüngeren oder beim älteren Publikum besser an?
Hirtler: Was ich sehr spannend finde – das klassische Kabarettpublikum ist ja so 35 und älter. Bei mir reicht das Publikum von Jung bis Alt, es kommen auch Menschen 90 plus. Und auch viele Schüler, Studierende und vor allem Menschen aus Sozialberufen.

Warum eigentlich Ermi Oma und nicht Ermi Opa? Spielt das Geschlecht der Figur eine Rolle?
Hirtler: Die Oma ist mir passiert. Ich habe damals in einem Plasmazentrum gearbeitet und die Chefin hatte die Idee, dass wir uns im Fasching als Märchenfiguren verkleiden. Ich ging als Großmutter vom Rotkäppchen. Und es war, als hätte der Blitz eingeschlagen. Ich hab in dem Moment gespürt, das ist die Figur, mit der ich das auf die Bühne bringen kann, was mich seit 20 Jahren beschäftigt.

Haben Sie in Ihrer Zeit als Altenpfleger erlebt, dass Menschen ihre Sexualität auch im hohen Alter noch ausleben konnten?
Hirtler: Ich hab vor kurzem in einer Schule für Sozialberufe gespielt. Das Thema Sexualität im Alter ist aufgekommen. Ich habe dann erzählt, dass ich wirklich einige Menschen im Altenheim erlebt habe, die sich verliebt haben und dann sagten „Es ist wie mit 17“. Es kann sein, dass im Alter das Stirnhirn schrumpft und die Enthemmung steigt – dann geht die Post ab.

Sie sind ja jetzt schon seit ein paar Jahren selber Opa – ändert sich da der Bezug zur Kunstfigur Oma?
Hirtler: Die Figur hat ja jetzt ihr 20-jähriges Jubiläum und ich bekomme einen anderen Blick auf Dinge. Das Leben ist ein permanenter Veränderungsprozess und ich denke, dass auch die Ermi als Kunstfigur einem permanenten Wandel unterliegt, ich habe das allerdings noch nicht analysiert.

Was erwartet das Publikum im neuen Programm „Heimsuchung“?
Hirtler: Die Heimsuchung ist ja sehr vielschichtig – sie sucht ein neues Heim, sie wird heimgesucht. Die Heimgesuchten sind aber auch die Pflegepersonen, die heimgesucht werden, von Betreibern, die nur auf Geld aus sind.

Es gibt ja auch das Klischee, das ältere Leute ins Heim „abgeschoben“ werden, weil sich die Familie nicht mehr um sie kümmern möchte. Haben Sie so etwas auch erlebt?
Hirtler: Das kann natürlich sein. Es gibt aber kein Schwarz-Weiß, es gibt nicht den „Standard-Ansatz“. Manche Leute tun sich leicht und können das organisieren, auch viele alte Menschen können klar aussprechen, was sie wollen. Aber ich hab auch viele alte Leute erlebt, die gar nichts geklärt haben. Wenn ich Leute frage, ob sie sich schon ein Heim ausgesucht haben, sagen manche, „Nein, nein, das machen dann die Kinder“. Die Kinder sind dann aber oft völlig überfordert. Ich bin ein Fan davon, dass man Dinge klar regelt.

Machen Sie sich auch selber schon Gedanken, wie Sie einmal Ihren Lebensabend verbringen möchten?
Hirtler: Ich hätte gerne, dass mir jemand die Dinge abnimmt, die ich nicht mehr tun kann, mich aber die Dinge tun lässt, die ich noch selber tun möchte. Selbstbestimmung, so lange es geht.
Aktiv lädt ein
Am Mittwoch, 6. März, kommt Markus Hirtler mit „Heimsuchung“ in die Koralmhalle Deutschlandsberg. Noch sind Karten erhältlich. Die Aktiv Zeitung lädt 5 x 2 Leser zum Kabarett-Abend ein. Interessierte schicken ein Mail: Kennwort: Ermi Oma auf Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Mailschluss: 1. März 2024.