Die Regionalzeitung der Süd-Weststeiermark - Auflage: 43.000 Stück

Als ältester Quereinsteiger Österreichs unterrichtet Prof. Ewald Dworak wieder an der Pädagogischen Hochschule Augustinum das „Spielerische Lernen“. Der Grund für sein „Einschreiten“ ist leicht erklärt: Er möchte diese, von ihm und Horst Goldemund erfundenen Methode nicht sterben lassen. Nun gibt es auch einen neuen Text zum „down under der Weststeiermark“ von ihm zu lesen:

 

Zur einstigen Weststeiermark ...

Ein Kabarettist benötigt für einen griffigen Text a) Zeit, um zu beobachten und b) den Zufall.
Und Letzterer ist mit der Eröffnung der Koralmbahn eingetreten!

Zur Erinnerung: Der weise Rat des Tourismusverbandes „Südsteiermark“, der bekanntlich nur über rudimentäres, geografisches Grundwissen verfügt, hat sich entschlossen, sich einfach über das in jeder Volksschule vermittelte Grundwissen geografischer Fakten (Gliederung der Steiermark in Ober-, West-, Mittel- und Ost-steiermark) hinwegzusetzen. Diese geografischen Leuchten betrachten die Existenz der Weststeiermark nämlich als Fake. Jeder weststeirische Schulabsolvent aber weiß seit frühester Jugend, dass die Weststeiermark aus den Bezirken Voitsberg und Deutschlandsberg besteht. Und er fühlt es auch!! Das ist Fakt!

Doch der Tourismusverband „Südsteiermark“ hat in sämtlichen neuen Werbeprospekten jeden Hinweis auf die uralte Kulturlandschaft Weststeiermark über Nacht ausradiert!

Deutschlandsberg liegt plötzlich in der „Südsteiermark“, Orte wie Trahütten oder Osterwitz, ja sogar der Koralm – Speik gehören plötzlich nicht mehr zur Weststeiermark, sondern zu einer rätselhaften „Südsteiermark“! Eine „Südsteiermark“, die es gar nicht gibt! Der einstige südliche Teil der Steiermark – die alte „Untersteiermark“ - nennt sich heute „Stajerska“ - und liegt in Slowenien. Bedeutet das etwa, dass dieser Tourismusverband nur für slowenische Belange zuständig ist?

Damit den ehemaligen und äußerst verwunderten Weststeirern das auch klar gemacht wird, haben engagierte Tourismusmitarbeiter in einer zweitägigen Vernichtungsaktion das alte Werbematerial, das mit dem Geld aus Zwangsbeiträgen für den Tourismus bezahlt worden war, einfach beseitigt. Das fremde Geld wurde buchstäblich „verbrannt“.

Umgehend wurde neues Werbematerial gedruckt, das wissentlich die Touristen bzw. Gäste völlig falsch informiert. Offenbar wird das versprochene „Miteinander“ zwischen dem Weinland an der slowenischen Grenze und dem Schilcherland gar nicht angestrebt, da auf dem neuen Prospektmaterial ausschließlich diese „Südsteiermark“ zu finden ist. Das Wort „Tourismusverband“ wird schamhaft weggelassen. Unsere „Weststeiermark“ sucht man vergeblich….

Das bedeutet aber auch, dass dieser Tourismusverband nichts mit der Weststeiermark zu tun hat bzw. haben will!

Die Außenstelle in Deutschlandsberg ist daher höchstens eine Gesandtschaft zur Förderung der in den Windischen Büheln be- oder verorteten Weinbauern ...

Aber zum Glück gibt es wie bei „Asterix“ inmitten der ehemaligen Weststeiermark ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf, das den südsteirischen Eindringlingen erbitterten Widerstand leistet. Dieses Dorf nennt sich Sanctus Florianus und besitzt einen riesigen Bahnhof, wie ihn noch keiner der feindlichen Römer, nicht einmal in Flavia Solva, gesehen hat! Auf diesem Bahnhof prangen überall nur Schilder mit der provokanten Aufschrift „WEST-STEIERMARK“!?

Oh du Heiliger Heckenklescher! Wie gibt es das? Haben diese aufmüpfigen Florianer den Tourismusverband überhaupt um Erlaubnis gefragt? Ja dürfen die das? Haben die beim Tourismusverband überhaupt einen Antrag gestellt? Oder steckt hinter diesem geheimnisvollen Namen gar die ÖBB?

Das muss man sich einmal vorstellen: Da gibt es doch inmitten einer angeblichen Südsteiermark eine selbstbewusste, aufrichtige und dem historischen Erbe der Weststeiermark verpflichtete Enklave der Aufmüpfigen! Als begeisterter Asterix-Leser fühle ich mich mit diesen verteidigungsbereiten und mutigen Florianer-Galliern selbstverständlich innigst verbunden! Und das schon seit vielen Jahren! Es darf nicht sein, dass die Tourismusbündler auch noch den Bahnhof umbenennen wollen! Da würde sich doch glatt mein Freund Reinhold Purr im Grab umdrehen!

Aber ich bin überzeugt, dazu wird es nicht kommen, denn um einen Landesteil der Steiermark umzubenennen, ist erst a) ein Antrag und b) ein einstimmiger Beschluss des Steirischen Landtages nötig! Und der liegt nicht vor! Deshalb ist auch umgehend der Antrag auf Unterlassung wegen der dauernden Verwendung der Phantasie- bzw. Fakebezeichnung „Südsteiermark“, und auch eine Anzeige wegen halsstarriger Nichtnennung der Bezeichnung „Tourismusverband“ zu stellen!! Wo kommen wir denn hin, wenn unsere Gäste bzw. unsere Touristen aus dem In- und Ausland absichtlich mit „Südsteiermark“ belogen und falsch informiert werden!!?

Diese eigenmächtige Umbenennung dürfte auch dem obersten Touristiker und fleißigen Besucher medienintensiver Veranstaltungen wie z. B. sein Empfang an Ende der Dachstein-Seilbahn bis dato unbekannt sein. Seine geografische Mindestanforderung sollte aber ausreichen, solche Eigenmächtigkeiten abzustellen. Wo er doch schon in lobenswerter Weise wertvolle Impulse hinsichtlich der Selbstentwicklung des steirischen Tourismus gesetzt hat! Mein Nachbar – der Pepi – hat gemeint, dass er ja schon als Meister der rauschenden Worte und verhaltenen Taten eindrucksvolle Taten bezüglich der Orbanisierung der Steiermark gesetzt hat! Aber da ist dem Pepi ganz sicher sein Kasperl mit ihm durchgegangen!

Übrigens: Wer bezahlt diesen üppigen Empfang inclusive der teuren Berg- und Talfahrt? Ich nehme an, der oberste Touristiker wird das sicher nicht aus seiner eigenen Tasche berappen! Nein, wir sind es, die zur Kasse gebeten werden, seine Wähler und Nichtwähler dürfen das wieder blechen! Trotz des strengen Sparerlasses! Bravo!!

Aber andererseits gehört er mit seinem Führer der treuesten Anhängerschaft der westöstlichen Bruderschaft Trump – Putin an. Bei deren geografischem Grundwissen herrscht ja auch eine überaus große geografische Unkenntnis! Der blonde Perückenträger hat ja selber in einem Anfall von Despotismus einen ganzen Golf schon umbenannt! Und beide verteidigen mit allen Mitteln angebliche Besitztümer, die ihnen gar nicht gehören.

Da können wir ja mit dieser kleinen, selbstherrlichen Umbenennung in der südlichen Weststeiermark ja noch von Glück reden! Nur: Zu einem gemeinsamen Miteinander wird das sicher nicht mehr führen! 

Also: Hellau – alle miteinander