Gesundheitssystem Februar 26

Ein Erlebnis aus der steirischen Realität: Österreich rühmt sich gerne seines „weltweit bewunderten Gesundheitssystems“. Was dabei gerne ausgeblendet wird: Wie sich dieses System anfühlt, wenn man ihm als Mutter mit einem verletzten Kind ausgeliefert ist.

Meine sechsjährige Tochter bekam am 24. Jänner, gegen 16 Uhr nach einem Schlag auf die Nase beim Spielen starkes Nasenbluten. Zwei Stunden lang versuchte ich, die Situation selbst in den Griff zu bekommen. Um 18 Uhr rief ich die Rettung. Gemeinsam fuhren wir auf die Kinderklinik Graz. Dort wurde meine Tochter untersucht und geröntgt. Um etwa 20 Uhr schickte man uns weiter zur HNO. Zu Fuß. Mit einem blutenden Kind. Im Dunkeln. Bei Glatteis.
In der HNO angekommen begann das Warten. Eineinhalb Stunden. In dieser Zeit kam niemand, um nach meinem Kind zu sehen. Drei Patienten waren vor Ort.
Um 21:30 Uhr wurden wir aufgerufen. Die Blutung hatte – nach fast fünf Stunden – endlich aufgehört. Meine Tochter wurde kurz angeschaut, dann wurden wir nach Hause geschickt.

Ich fragte, ob wir mit der Rettung zurückfahren könnten. Ich hatte niemanden, der uns abholen konnte. Die Antwort: Nein. Wir seien „beim Gehen nicht beeinträchtigt“ und hätten daher keinen Anspruch. Als ich fragte, wie ich mit einem erschöpften, verletzten Kind nach Hause kommen soll, wurde mir sinngemäß erklärt: Das sei nicht ihr Problem. „Rufen Sie sich ein Taxi.“ Das Taxi kam. Die Rechnung: 150 Euro.

Dieses Erlebnis wirft eine unbequeme Frage auf: Wem dient dieses Gesundheitssystem eigentlich? Sicher nicht den Schwächsten. Nicht den Kindern. Nicht den Eltern in Ausnahmesituationen.

Es geht hier nicht um medizinische Kompetenz. Die Ärzte haben korrekt gehandelt. Es geht um Haltung. Um ein System, das formal funktioniert, aber menschlich versagt. Vielleicht sollten wir aufhören, unser Gesundheitssystem reflexartig zu loben – und anfangen, genau hinzusehen, wie es sich anfühlt, wenn man es wirklich braucht.

Susanne Pschaider
Anschrift der Redaktion bekannt